Essen mit Kindern – ein Drama in vier Akten?

„Wenn man es von Anfang an konsequent zu jeder Mahlzeit anbietet und als Eltern Vorbild ist, dann isst doch jedes Kind Gemüse. Man muss sich nur Mühe geben.“ 

Ich schäme mich jetzt ein bisschen für diesen Satz, aber was weiß man nicht alles besser, bevor man selber Kinder bekommt. Schon als wir mit der Beikost anfingen, mochte unsere Tochter nicht jeden liebevoll pürierten Bio-Super-Brei, allen Flugzeug-Spielchen und „Hmmmm, lecker“-Anpreisungen zum Trotz. Auch jetzt mit zwei Jahren weiß sie ganz genau, was sie mag und was nicht. Zum Beispiel keine Bananen, kaum Brot und von Woche zu Woche weniger Gemüsesorten. Unser Grundsatz „Kein Stress und Zwang beim Essen“ gerät somit öfter mal ins Wanken, denn wer wird schon gesund und stark von Nudeln mit Butter?

Wenn sie nicht essen will, zwingen oder überreden wir sie nicht. Wir bieten ihr auch nicht 50 verschiedene Optionen an oder kreieren eine besonders lustig aussehende Mahlzeit (es gibt Ausnahmen). Essen ist schön, man sollte es genießen, kann es zelebrieren und ritualisieren – im Grunde genommen ist es aber eine Notwendigkeit. Deshalb wird weder geschimpft, wenn sie nichts isst, noch gelobt, wenn sie besonders gut oder viel gegessen hat. Wir fragen, ob und was sie essen möchte und im besten Fall ist es etwas halbwegs Sinnvolles (Bei Wünschen wie Gummibärchen, Schokoladeneis oder Kuchen lenken wir sie halt aufs Marmeladenbrot oder den Obst-Smoothie um). Wenn sie nichts essen will und wir zusammen am Tisch sitzen, sieht sie, was es alles gibt oder was wir essen und sucht sich dann doch irgendwann etwas aus.

Es gibt aber dennoch immer wieder Tricks (siehe hier, hier und hier), mit denen man Gemüse und neue Lebensmittel in die kleinen Monsterchen hinein befördern kann:

  • Wie alle Zweijährigen liebt Ava es, wenn sie in mit einbezogen wird und auch bei der Zubereitung des Essens helfen darf. Rühren, Zutaten in die Schüssel geben, Kartoffeln ins Wasser werfen und zwischendurch probieren findet sie großartig. Hinterher ist sie wirklich stolz, wenn wir zusammen gekocht haben und eher geneigt, es dann auch zu essen.
  • Was bei uns immer funktioniert, ist der in Fachkreisen so genannte Räuberteller. Ein Teller mit kleinen Snacks, die alle fein säuberlich getrennt voneinander präsentiert werden. Bei uns sind das zum Beispiel Oliven, Käse, Kirschtomaten, Avocado, kalte Nudeln vom Vortag, Rosinen, Äpfel, Brotwürfel oder Ei und dazu eine Mandel-Bananen-Milch. Super für kleine Pingelchen, und wenn nicht viel Zeit fürs Abendessen ist.
  • „Dippen“ ist ein großer Anreiz, Gemüse zu essen. Ein Dip aus Avocado, Mayo und Salz oder ab und zu mal ein Klecks Ketchup bewirkt bei Ava wahre Wunder
  • Wenn wir alle zusammen essen und auch alle zumindest ungefähr das gleiche, isst unsere Tochter auch besser und probiert auch eher mal bei uns. Vor allem, wenn wir essen und uns darüber unterhalten, wie lecker es ist. Keine große Überraschung, denn wenn sie etwas anderes essen muss als wir, versteht sie das nicht wirklich.

Ich bin keine große Köchin, für die komplizierteren Gerichte ist mein Mann verantwortlich und die werden auch meistens nur am Wochenende gekocht. Deshalb hier ein paar Tipps für Bücher und Websites, die gesunde, leckere und (überwiegend) einfache Rezepte für Groß und Klein bieten. Getestet, gekostet und geschrieben von leidenschaftlichen Köchinnen/Müttern und, ähm…. Jamie Oliver (wer Tipps zu Blogs oder Büchern von kochenden Vätern hat, bitte melden).

Die gelernte Köchin Catherine hat es sich auf Weelicious zur Mission gemacht, gesunde frische und teilweise schnelle Gerichte für die ganze Familie zu zaubern. Ein tolles Kochbuch gibt es auch: Weelicious – one familiy, one meal . 

1 x Kochen für alle von der Berlinerin Julia Radtke, die auch den Blog Tiny Spoon betreibt. Online und in ihrem Buch gibt es jede Menge schnelle und ausgewogene Rezepte ohne ellenlange Zutatenlisten oder komplizierte Kochanweisungen. Genau das Richtige für anspruchsvolle aber bequeme Menschen wie mich.

Ein Fest im Grünen von Erin Gleeson, die ebenfalls einen wunderschön designten Blog mit überwiegend vegetarischen Rezepten betreibt und bereits mehrere Kochbücher verfasst hat.

Dinner, a love Story – Wieder ein Buch und eine Website von Übersee. Die Amerikaner mögen ja gern etwas übertreiben, aber sie haben eben auch oft einen super positiven Blick auf die Dinge, die mich immer wieder inspirieren. Jenny Rosenstrach (und als Sidekick ihr Mann Andy) spikt Ihre Rezepte mit kleinen amüsanten Storys aus ihrem Familienleben.

Man hasst ihn oder liebt ihn, aber an Jamie Oliver kommt man ja irgendwie nicht vorbei. Ich schaue zwar eher mal auf seine Family Website (dieses Rezept hier werde ich demnächst mal am Wochenende testen) aber das Buch kann bestimmt auch was.

Auf Luisa Weiss‘ Blog The Wednesday Chef gibt es eine Kategorie namens Cooking for Hugo. Hier postet Luisa von Zeit zu Zeit simple, kinderfreundliche und leckere Rezepte, die sie ihrem Sohn Hugo kredenzt.

Habt ihr noch Tipps zu Büchern oder Blogs? Wie macht ihr das denn mit dem Essen?

2 Comments

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  1. 1
    Tine

    Im Moment habe ich noch das Glück, dass Bo wirklich fast alles isst. Aber sollte sich das mal ändern – es sind ja immer nur Phasen 🙂 – dann werde ich mich an Deine Tipps erinnern. 🙂 Mir ist aufgefallen, dass umso weniger ich ihn frage, was er möchte und umso weniger ich ihm anbiete, desto selbstverständlicher isst er. Also wird gekocht oder der Abendbrottisch gedeckt und dann wird gegessen, was es nun mal gibt. Oder eben auch nicht, auch okay. Das hatten wir allerdings bis jetzt noch nicht.

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