„Nein, ich bin nicht schwanger, ich bin nur dick.“ Warum die Frage nach dem (zweiten) Kind so nervt.

„Sag mal, bist Du schwanger? Sieht so aus!“ Diese Frage wurde mir kürzlich ernsthaft und im selben Wortlaut von einer Bekannten gestellt. Erst war ich einfach nur verblüfft. 

Dann fühlte ich mich, wie jede anständige, von den Medien manipulierte Frau fett. Als wenige Minuten später die Frage in anderer Form wieder auftauchte („Wollt Ihr eigentlich noch ein zweites? Nicht jetzt? Ihr wollt aber, oder?“), stellte sich eine andere Empörtheit bei mir ein. Was soll dieses Interesse an den Reproduktionsambitionen anderer Leute? Seit wann ist das nicht mehr privat? Oder war es das nie? Gut, meist sind es die eigenen Eltern, die damit nerven („Ich hatte in Deinem Alter schon drei Kinder!“), weil sie noch mehr kleine süße Enkelchen und naturgemäß im Leben ihrer Kinder mitmischen wollen. Wenn aber Bekannte, Nachbarn oder Eltern aus der Kita sich danach erkundigen, empfinde ich das fast schon als übergriffig. Und nicht nur ich. Viele im Freundeskreis, besonders die ohne oder mit nur einem Kind, werden gefühlt einmal pro Woche mit der Frage gelöchert und bleiben genervt zurück.

Tiefenentspannten geht diese Frage wahrscheinlich am Allerwertesten vorbei. Sie antworten einfach mit einem simplen Nein, wechseln das Thema und leben weiter in Frieden. Warum das nicht immer so einfach ist? Weil das Thema Kinderkriegen kein einfaches ist und oft sehr viele Emotionen lostritt. Jede Familienkonstellation ist anders, manchmal geplant, manchmal ungeplant. Für die einen kommt ein zweites aus persönlichen oder finanziellen Gründen gar nicht erst infrage, die anderen wollen sich nach der anstrengenden Anfangszeit mit Kind erst mal selbst finden oder beruflich verwirklichen. Wieder eine andere Familie will unbedingt und hat vielleicht mit Fehlgeburten oder sonstigen körperlichen Hindernissen zu kämpfen. Und was ist eigentlich, wenn jemand tatsächlich schwanger ist, es aber (noch) nicht sagen will? Manchmal will oder kann man eben nicht ehrlich antworten und steckt somit in einer echt unangenehmen Lage. Oder die Gefragte antwortet und kann sich eines holperigen Gesprächsverlaufs bis hin zu einer unangebrachten Diskussion sicher sein.  Ich zähle übrigens zu denjenigen, die froh sind, ihr „altes“ Ich zurück zu haben, arbeiten wollen und noch lange nicht wieder bereit für schlaflose Nächte und schreiende Babys sind. Ich sage das auch so und es wird im Allgemeinen akzeptiert. Obwohl man auch dann Sätze hört wie: „Aber je näher aneinander, desto schöner.“ Oder „Aha, wie alt bist Du jetzt?“ (meint: „Naja, lass Dir nicht zu viel Zeit, Du wirst ja auch nicht jünger.“)

Ja, ich kenne den Satz „Fang immer bei Dir selber an“. Man kann eben nicht ändern, dass Leute fragen, man kann nur ändern, wie man damit umgeht. Aber nur mal so als Tipp, falls Ihr selbst schon mal so eine Frage stellen wolltet: Lasst es im Zweifel lieber bleiben. Sollte kein Nachwuchs kommen, wird es gute Gründe geben, die die Betroffenen entweder von selbst oder gar nicht mit Euch teilen werden. Und wenn doch noch ein weiteres Familienmitglied in der Pipeline ist, werdet Ihr es schon früh genug erfahren. Und ich überlege mir jetzt mal eine zen-mäßige Antwort – die nächste Frage kommt bestimmt.

Wie geht es Euch denn da so? Werdet Ihr oft mit dem Thema konfrontiert? Und ärgert Euch das auch so wie mich oder bleibt Ihr ganz entspannt?

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